„Rost“

rost coverHamburg 2078.
Aron lebt ein sorgloses Leben in den TĂŒrmen der abgeschotteten Stadt. Er verlĂ€sst ihre sicheren Mauern nur, um mit seinen Freunden auf die Jagd zu gehen. Menschenjagd.
Doch bei einem dieser AusflĂŒge bleibt er gestrandet in den Brachen zurĂŒck – und fortan bestimmt nur ein Gedanke sein Handeln: Er muss einen Weg finden, in die Stadt zurĂŒckzukehren. Um jeden Preis. // (Klappentext)

  • Broschiert / eBook
  • Verlag: Epikur (2008), Books on Demand (2012)

Der Autor: Christian GĂŒnther, 1974 in Bielefeld geboren, lebt als freiberuflicher Autor, Web-Designer und Grafiker in der NĂ€he von Hamburg. Neben zahlreichen Kurzgeschichten veröffentlichte er die beiden Cyberpunk-Romane „Rost“ und „Under the black rainbow“. Voraussichtlich im Herbst 2016 erscheint sein erster Roman aus der Welt von Faar „Die Aschestadt“ im AmrĂ»n-Verlag. (Quelle: Autorenhomepage)

NatĂŒrlich musste jeder seinen Beitrag leisten, damit ihre Gesellschaft funktionieren konnte. Jeder musste etwas Sinnvolles tun, damit sie ihren Lebensstandard aufrechterhalten konnten. Wer nur faul mitschwamm und nicht seinen Teil beitrug, sorgte dafĂŒr, dass sich ihr Leben dem armseligen Existieren der Menschen außerhalb der Mauern ein weiteres StĂŒck annĂ€herte. SelbstverstĂ€ndlich gab es immer wieder Leute, die hofften durchzukommen, ohne der Gemeinschaft ihren Tribut zu leisten, doch die wurden letztendlich immer gefunden und rasch extrahiert. Sie verloren ihre Registratur und so blieb ihnen nichts anderes ĂŒbrig, als den angenehmen Schoß der Stadt zu verlassen und draußen ihr GlĂŒck zu suchen. Ohne funktionierende KlimadĂ€cher, ohne Nahrungs- und Genussscheine, ohne sauberes Wasser und ohne den Schutz der Registratoren und ihrer Polizei.

Das Buch: Die dystopische Cyberpunk-Welt, in der Aron, Natascha, Jules und die anderen leben, ist zweitgeteilt: Da sind die abgeriegelten scheinbar perfekten GroßstĂ€dte, in denen die Menschen alles haben, was sie brauchen, und dann ist da das Draußen mit verlassenen Industrieruinen und verwahrlosten Wohnsilos, wo weder Sicherheit noch Wohlstand existiert. Hier musste ich an die Welten der Zombieapokalypsen, wie in „The Last of Us“, „DayZ“ oder anderen Computerspielen denken, nur halt ohne Zombies.

Der Roman ist in kurzen Kapiteln aufgeteilt, die personalen Perspektiven wechseln, aber zum grĂ¶ĂŸten Teil sind sie aus Arons Sicht beschrieben, der gezwungenermaßen sein Leben, so wie es war, verlassen muss und mit spannenden und gefĂ€hrlichen Situationen konfrontiert wird. Nicht immer kann er sofort die Tragweite dieser verstehen – seine Sicht ist anfangs noch beschrĂ€nkt – und seine festgelegten Meinungen Ă€ndern, was ihn noch menschlicher und den Roman realistischer macht.

Der Schreibstil ist sehr bildreich, die Beschreibungen zeigen deutlich die kaputte Welt, die im Kopf des Lesers zum Leben erwacht und Wirklichkeit wird: Man sieht sie nicht nur vor sich, sondern kann die Dinge fast schon riechen und schmecken.

Und Furcht vor dem Tod ist vollkommen unsinnig. Der Tod ist nichts, wovor es sich zu fĂŒrchten lohnt. Der Tod ist steril. Er hat etwas Reinigendes, etwas Klares und Sauberes an sich. Er ist endgĂŒltig und diese EndgĂŒltigkeit ist es, die ihn einzigartig macht. Der Tod ist wie ein Gewitter, das ĂŒber eine Landschaft fegt, die von schwĂŒler, feuchter Luft in Schwermut und DĂŒsternis niedergedrĂŒckt wird. Ein Gewitter sorgt mit seinem Regen fĂŒr KĂŒhlung und frische Luft, lĂ€sst Pflanzen wieder sprießen. Dem Leben neuen Raum, neue Kraft, neue Lust verleihen – das ist der Sinn des Todes. Denn auf einen Tod folgt immer neues Leben. So will es die Natur und so ist es der ewige Lauf der Dinge. All das hatte man ihm beigebracht.

Auch die einzelnen Ideen fand ich sehr krass und neu, wie die Party in der Großen Freiheit, in der alle nur Ohrhörer tragen, um teilnehmen zu können, mit eigenem Soundtrack fĂŒr jeden Einzelnen und jeder tanzt zu seiner eigenen Musik. Oder die Hosakas, „kleine autarke Reinigungseinheiten“, die die Wohnungen sauber halten und dabei nicht einmal groß auffallen. Vielleicht gab es solche Ideen bereits, aber mir waren sie neu.

Fazit: 5/5 „Rost“ ist eins dieser BĂŒcher, die man so gar nicht zu Ende lesen will, weil man noch lĂ€nger mit den Protagonisten durch die Seiten reisen möchte. Bleibt einem aber nichts anderes ĂŒbrig, weil sich die Spannung bis zu den letzten Seiten hĂ€lt.