Eröffnung der LeseEcke Bünde // Neuzugänge

Fast fünf Monate soll Bünde ohne Buchladen gewesen sein? Kaum vorstellbar, allerdings war ich dort auch ewig nicht in der Innenstadt unterwegs. Dann erzählte mir meine Mutter, dass wieder einer aufmacht: die Eröffnung der LeseEcke war gestern, und als ich meine Eltern besuchte, hielt meine Mutter und mich nichts mehr als direkt loszusausen. Schließlich ist sie genauso ein Lesejunkie wie ich.

Und ihr kennt das, da will man sich nur einmal kurz umschauen und schon steht man an der Kasse, egal wie groß der Willen war, sich kein neues Buch zu kaufen. Schließlich warten zu Hause sowieso genug und das Regal ächzt auch schon. Doch manchmal ist der Willen der Bücher halt einfach größer als der eigene.

Ein etwas anderer Rundgang:

Der Geruch von Tapetenkleister, Farbe und neuen Möbeln, vermischt mit dem Geruch neuer Bücher. Noch steht nur eine kleine Auswahl ausgesuchter Bücher in den Regalen und trotzdem lassen sich direkt einige finden, die man sich auch im eigenen Regal sehr gut vorstellen könnte.
Der Laden selbst wirkt wie ein großes Wohnzimmer: Liebevoll eingerichtet; als Kunde spürt man die Leidenschaft der Besitzerin für Literatur. Knapp 100 Quadratmeter sollen es sein. Zur Eröffnung scheint es, als ob sich alle Mitarbeiter versammelt zu haben. Und trotzdem drängen sich immer noch mehr Kunden als Mitarbeiter zwischen den Regalen. Manche schauen nur kurz hinein, andere schauen jedes einzelne Regal durch, lesen Klappentexte, wenn ihnen Cover und Titel zusagen. So wie ich.

Gleich am Anfang der neue Roman von Alex Capus: Das Leben ist gut, nehme ihn zweimal in die Hand, stelle ihn wieder zurück. Nicht gleich zu Beginn der Runde, erstmal nur schauen. Weiter zur nächsten Ecke: Erst Krimis und Thriller, dann fantastische Literatur. Dort steht ein Mädchen, liest ganz vertieft in einem Buch von Kai Meyer. Und das Buch scheint mir zuzuflüstern: »Na? Du wolltest doch schon immer mal eins von mir lesen. Hier sind noch mehr, hier drüben, ja genau hier.«
Das Mädchen schaut kurz auf, und ich will weitergehen, bis mir Zurück ins Leben geliebt von Colleen Hoover ins Auge fällt. Und wieder die Versuchung. »Ja! Du fandst doch Maybe Someday so toll. Versuch’s mit mir!«
Von vorne ruft Das Leben ist gut: »Hey, nein! Denk an Léon und Louise und Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer. Wäre es nicht angebrachter, mich mitzunehmen? Du liebst meinen Erzählstil und du weißt, ich werde dich nicht enttäuschen.«

Ich ignoriere die Werberufe, gehe weiter, ganz hinten Jugendbücher, will schon automatisch dran vorbeilaufen, da winken mir Tschick von Wolfgang Herrndorf und Das also ist mein Leben von Stephen Chbosky zu. Alte Bekannte. Und da drüber steht Das Morgen ist immer schon jetzt von Patrick Ness, sagt mir überhaupt nichts. Titel, Klappentext und die beiden Nachbarn schaffen es aber, überreden mich und ich behalte es in der Hand. Mit Scheuklappen geht es weiter. Aber meine Mutter hängt in einer Ecke fest, stöbert noch und da fällt mir ein Titel ins Auge: Couchsurfing im Iran: Meine Reise hinter verschlossenen Türen (von Stephan Orth). »Du willst mich, also nimm mich.« Bleibt mir bei der charmanten Ansage etwas Anderes übrig? Natürlich nicht.

Und ich weiß nicht, wer am Ende stolzer schaut: Ich, als ich mit meinen Neuzugängen den Laden verlasse, oder die Bücher in meiner Hand, die spöttisch zu den Zurückbleibenden schauen und flüstern: »Wir wurden auserwählt.«
Aber liebe Romane von Kai Meyer, Colleen Hoover und Alex Capus: Keine Sorge, wir sehen uns wieder.

 

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Weitere Infos zur LeseEcke Bünde:
Ein Artikel dazu: http://www.boersenblatt.net/artikel-neueroeffnungen_in_buende.1235000.html
Die Facebook-Seite: https://www.facebook.com/B%C3%BCnder-LeseEcke-1621900341455631/

 

Klappentexte zu den Neuzugängen:

Couchsurfing im Iran: Meine Reise hinter verschlossenen Türen von Stephan Orth:
»Eine Bikiniparty in der Pilgerstadt Mashhad, eine Übernachtung neben dem Atomkraftwerk Bushehr, ein Sadomaso-Geheimtreffen in Teheran: Im Iran erlebt Stephan Orth Abenteuer, die kein Reiseveranstalter jemals in seinen Katalog schreiben würde. Als Couchsurfer tauscht er Hotel gegen Privatquartier und lernt das Land so von seiner ganz privaten Seite kennen. Denn hinter verschlossenen Türen fällt der Schleier und mit ihm die Angst vor den Sittenwächtern. Ob beim Rotwein-Besäufnis mit einem persischen Prinzen oder bei einem Wohnzimmer-Date mit versammelter Großfamilie, im stinkenden Schmugglerbus oder im rasenden Kleinwagen: Jede neue Begegnung fügt sich als Puzzleteil ein in das Gesamtbild eines Landes, dessen Realität komplett anders ist, als die Klischees vermuten lassen. Und schließlich werden noch zwei der letzten Geheimnisse aufgedeckt: wie die Einheimischen es anstellen, in einer Apotheke Wodka zu kaufen – und warum sie die unsägliche Popgruppe Modern Talking so lieben.« (Malik-Verlag)

Das Morgen ist immer schon jetzt von Patrick Ness:
»Was, wenn man NICHT einer der Außerwählten ist, wie sie immer in den Büchern beschrieben werden? Wenn man nicht der Held ist, der sonst üblicherweise die Zombies bekämpft, oder die Seelenesser oder was immer gerade das nächste unheilbringende Wesen sein mag, das die Welt bedroht. Was, wenn man einer ist wie Mikey? Der einfach nur seinen Abschluss hinbekommen möchte und zum Schulball gehen und vielleicht irgendwann den Mut aufbringen, Henna um ein Date zu bitten – bevor irgendjemand die Schule in Schutt und Asche legt. Wieder mal. Denn manchmal gibt es stinknormale Probleme, die echt wichtiger sind als der nächste Weltuntergang, und angesichts derer man erkennt, dass das eigene ganz normale Leben absolut einzigartig und außergewöhnlich ist.« (cbj-Verlag)