Autoreninterview mit Christian GĂŒnther

christian-guenther_interviewfotoNach den beiden Romanen under the black rainbow und Rost folgt nĂ€chsten Monat endlich ein neues lĂ€ngeres Abenteuer des Autors Christian GĂŒnther: Die Aschestadt. Um euch die Wartezeit zu verkĂŒrzen, hier ein Interview ĂŒber seine neue Welt von Faar und ĂŒber das Schreiben.

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Du bist eher als Science-Fiction-Autor bekannt, doch mit deinem neuen Roman „Die Aschestadt“ tauchst du in die Fantasyrichtung ein. Warum der Wechsel? Reizt dich das Genre mittlerweile mehr oder hattest du einfach nur mal Lust auf was Neues?

Ich mochte beides schon immer sehr, habe immer Phasen, in denen ich einem der beiden Bereiche mehr zuneige. Nach meinen Cyberpunk-Romanen sehnte ich mich nach Abwechslung und habe angefangen, meine eigene Fantasy-Welt zu kreieren. Eine, in der ich mich austoben kann, in der ich meine Art der Fantasy realisiere. So, wie ich sie mir immer gewĂŒnscht habe.

Magst du einen persönlichen Einblick in deine erschaffene Welt geben? Hast du einen Lieblingscharakter? Und wĂŒrdest du gerne selbst mal in der Faar-Welt leben?

Kurz gefasst ist es eine Art „Lovecraft mit Äxten“. Es ist ein Sword & Sorcery-Setting, grimmig und brutal wie bei Conan oder Kane. Vermengt mit finsteren Meereskreaturen, die Erinnerungen an die Welten von H.P. Lovecraft wecken. Es gibt keine tolkienschen Rassen wie Orks, Trolle oder Elfen, ich wollte das ganze etwas „realistischer“ zeichnen und von den gĂ€ngigen Fantasy-Klischees etwas abrĂŒcken. Gut, andere Klischees wie die des muskelbepackten BarbarenkĂ€mpfers oder der Stadt mit dunklen Gassen bediene ich ausgiebig.

Meine Figuren mag ich eigentlich alle, besonders an Herz gewachsen ist mir im ersten Band eine eigentliche Nebenfigur. Hyron, ein alternder SöldneranfĂŒhrer, der den rechten Zeitpunkt, sich aus seinem Gewerbe zurĂŒckzuziehen, immer wieder verpasst hat.

Auf deiner Seite gibt es die erste Kurzgeschichte „Heiliger Regen“ zur Leseprobe. Und auch auf deiner dazugehörigen Fanseite hast du Novellen erwĂ€hnt. Ist der ganze Roman also aus mehreren kĂŒrzeren Episoden aufgebaut? Abgeschlossen oder fortfĂŒhrend?

Nein, der Roman ist eine durchgĂ€ngige Geschichte. Ihm sollen weitere BĂ€nde folgen, diese Reihe ist sozusagen das HerzstĂŒck der Faar-BĂŒcher. Daneben gibt es Kurzgeschichten und Novellen, die flankierend dazu andere Aspekte der Welt beleuchten und auch andere Menschen und Monstren vorstellen, die in ihr leben.
Es ist aber durchaus so, dass der Roman mit viel Tempo geschrieben ist und nicht so breit und detailverliebt daherkommt, wie es in der Fantasy weitgehend ĂŒblich ist.

Du arbeitest unter anderem auch als Illustrator und schreibst auf deiner Homepage, dass du dir das Handwerk grĂ¶ĂŸtenteils selbst beigebracht hast. War es beim Schreiben auch so oder hast du dir ein Netzwerk gesucht, andere Autoren? Wie hast du angefangen?

ZunĂ€chst habe ich mit dem Schreiben von Rollenspielabenteuern begonnen, so etwa mit 16 Jahren. Es ist mir gelungen, einige dieser Abenteuer und auch Artikel in den damals noch existierenden Rollenspielzeitschriften unterzubringen. Das hat mir großen Auftrieb gegeben. In meinem ersten veröffentlichen Artikel ging es darum, wie man Alien-Rassen fĂŒr das Star Wars-Universum erfindet und entwickelt. Totaler Nerd-Kram. Heute wĂŒrde ich wahrscheinlich bloggen oder mich als youTuber versuchen. Irgendwann entstanden dann erste Kurzgeschichten, unsĂ€gliche Gedichte und einige Jahre spĂ€ter der erste Roman „under the black rainbow“. In den habe ich alles reingepackt, was ich schon immer mal in einem Roman lesen wollte. Seine Ungeschliffenheit habe ich versucht, als „Punk-AttitĂŒde“ zu verkaufen. Hat tatsĂ€chlich einigermaßen funktioniert, immerhin hat er beim Deutschen Science Fiction-Preis den dritten Platz belegt.

Ich habe dann einige andere Autoren kennengelernt und Schreibseminare besucht (bei der Bundesakademie in WolfenbĂŒttel – sehr empfehlenswert).

A propos, hast du Schreibrituale? Brauchst du eine bestimmte Stimmung oder Musik fĂŒrs Schreiben oder kannst du dich einfach ĂŒberall hinsetzen und drauflos tippen?

Ich schreibe eigentlich immer am gleichen Platz, einem Schreibplatz im Wohnzimmer, inmitten von BĂŒchern. Mein richtiges BĂŒro, das ich auch zu Hause habe, ist fĂŒr andere Arbeiten reserviert. Notizen usw. mache ich stĂ€ndig und ĂŒberall, meistens wenn ich mit meinem Hund durch den Wald laufe. Da nehme ich schon mal ganze Passagen mit dem Handy auf, die mir in den Sinn kommen.

Theoretisch schreibe ich jeden Morgen eine Stunde lang, praktisch klappt das nicht immer.

Ach ja, angetrunken zu schreiben ist mir unmöglich, da kommt meist nur Unsinn dabei raus. Ich habe es ausprobiert.

Hand aufs Herz: Könntest du ohne das Schreiben leben oder ist es eher wie ein Drang, dass du es einfach tun musst, damit du die Geschichten aus deinem Kopf bekommst?

Geschichten und Welten in meinem Kopf zu entwerfen und daran zu feilen, gehört zu den schönsten Dingen, die ich mir in meinem Leben vorstellen kann. Wenn ich nicht schreiben wĂŒrde, wĂŒrden sich diese Geschichten sicher andere Wege suchen, um herauszufinden in die Welt. Durchs Illustrieren geschieht das ja auch, wenn ich das nicht tun wĂŒrde, vielleicht wĂŒrde ich dann Filme machen oder Musik. Ist ja nicht so, dass ich das nicht auch schon probiert hĂ€tte (um festzustellen, dass das mit der Musik einfach nicht meine Welt ist).

Ich kann so tagelang allein sein mit meinen Gedanken, und mir wird niemals langweilig. Das sehe ich als ein Geschenk an.

Was wĂŒrdest du angehenden Autoren mit auf den Weg geben?

Der ĂŒbliche Satz hier ist ja: Ihr mĂŒsst schreiben, viel schreiben. Irgendwann wird das dann gut. Der ist auch absolut wahr, Übung ist einfach unersetzlich. Man kann das gut beobachten, wenn man sich einmal in die Welt der Self-Publisher begibt. Es gibt einige Autoren, die wirklich an ihren BĂŒchern feilen und arbeiten, bis sie gut sind, und es gibt welche, die etwas aufschreiben, ohne viel darĂŒber nachzudenken, ohne es Korrektur zu lesen usw. und dann gleich publizieren.

Tut das nicht. Schreiben, weglegen. Nochmal schreiben. Überarbeiten.

Und: viel lesen. Lernen von anderen. Kritik annehmen. Man ist nie „fertig“ oder „perfekt“. Von Text zu Text lernt man dazu.

Aber: Wenn es keinen Spaß macht, wenn du dich nur quĂ€lst, weil du gern Autor wĂ€rst, aber gar keine Schreiblust hat, keine Geschichten zu erzĂ€hlen hast – versuch es mit etwas anderem.

Vielen Dank fĂŒr das Interview!